Ausstellungen 2019

Vivian Kahra,"DASEIN"

19. Januar 2019 – 17. März 2019

Die 1971 in Braunschweig geborene Vivian Kahra studierte an der dortigen Hochschule für Bildende Künste, bevor sie für über 10 Jahre in die USA ging. Seit 2017 lebt sie in Freiburg.
Kahra gehört zu den leisen, poetischen Künstlerinnen ihrer Generation. In ihrer Malerei scheinen Figuren und Räume aus dem gleichen schwebenden und leichten Stoff gemacht, der ihnen eine in sich bewegte Schwerelosigkeit verleiht. Das äußerlich und das innerlich Sichtbare sind für sie Phänomene der gleichen Intensität, die je nach Empfindungsgehalt einen anderen bildnerischen Ausdruck erhalten: sei es durch einen zarten oder kraftvollen Farbauftrag, durch Transparenz oder Dichte, den Strich des Bleistiftes auf purer Grundierung oder die raue Geste der Pinselspur. Eigentlich versucht die Künstlerin, jene intuitiven und uneinholbaren Lebensmomente ins Bild zu setzen, die trotz oder wegen ihrer Flüchtigkeit magisch anmuten. Vivian Kahra öffnet ihre Malerei für Sehnsüchte, die sie nicht stillt, erfindet Figuren, deren Bewegungen in sich zurückgenommen werden, und Bildräume, deren Energien gleichermaßen freigesetzt wie zurückgebunden werden. Aus diesem Pulsieren entsteht ein Gleichgewicht aus Rationalität, Empfindsamkeit und Fragilität: eine Magie der Nüchternheit.

Vernissage: Freitag, 18. Januar, 19:30 Uhr

Vivian Kahra, The painter, Öl auf Leinwand, 2017
Foto: Künstlerin

S t u b e n g e s e l l s c h a f t — K u n s t v e r e i n

Dieter Konsek, "Manchmal braucht Schwarz etwas Farbe"

30. März 2019 – 26. Mai 2019

Dieter Konsek, 1962 in Ettlingen geboren, studierte Visuelle Kommunikation in Pforzheim und Malerei in Bad Reichenhall bei Heribert C.Ottersbach.
Die Zeichnung ist für Dieter Konsek Ausgangspunkt seiner künstlerischen Arbeit. Während tagsüber die Zeichnungen draußen im Schatten der Bäume entstehen, ist der nächtliche Strich durch die düsteren, abgründigen Radierungen Goyas inspiriert. Dieter Konsek bildet dabei die vorgefundenen Motive nicht ab, sondern eignet sie sich mit dem Zeichenstift an, verwandelt sie durch seinen bisweilen wilden, gestischen Strich oder lässt sie zu rhythmischen Strukturen verschmelzen.
Der Übergang zu seiner Malerei ist dabei nahezu fließend. Im Vordergrund steht auch hier die prozessorientierte Arbeit, der stete Versuch des Neuanfangs und des Verwerfens. Auf diesem Weg gelingt es dem Künstler, jenem Wesen der Dinge nachzuspüren, die man als eine Umschreibung lebendiger Prozesse, von Wachstum und Rhythmus bezeichnen könnte: eine Choreografie der Konzentration und der Verflüchtigung.

Vernissage: Freitag, 29. März, 19:30 Uhr

Dieter Konsek, Am Morgen, Acryl und Kohle auf Leinwand, 2018
Foto: Künstler

F o r u m r e g i o n a

Gary Krüger, "Stillstand"

5. April 2019 – 26. Mai 2019

Gary Krüger, der 1959 in Australien geborene, früh nach Deutschland gekommene und heute in Rielasingen wohnende Künstler präsentiert Acrylmalereien und Heliogravüren. Die Malerei mutet auf den ersten Blick fotorealistisch an, löst sich bei genauerem Hinschauen aber in feinste Punkte auf.
Unter Ausnutzung der besonderen Wirkungseigenschaften der Heliogravüre – einer besonders feintonigen Drucktechnik - gelangt Krüger zu sinnlichen, atmosphärisch verdichteten Bildlösungen, die vorrangig auf dem Gestaltungsprinzip der Überlagerung mehrerer Bildebenen und Realitätsschichten beruht. Die formatfüllenden Darstellungen von maritimen Gerätschaften, Fangvorrichtungen, Küstenlandschaften künden von seiner Faszination für die Welt des Meeres und der Schifffahrt. Feinmaschige Netze, salzverkrustete Bojen und immer wieder das Sujet der Seile – verschlungen, verknotet, aufgehäuft oder frei liegend – sind mit klarer Bildregie zu nahsichtig erfassten Kompositionen verdichtet (Andreas Gabelmann).

Vernissage: Donnerstag, 4. April, 19:30 Uhr

Gary Krüger, Stillstand, Acryl auf Leinwand, 2012
Foto: Künstler

Anna Lena Grau, "Packstücke"

8. Juni 2019 – 11. August 2019

Anna Lena Grau wurde 1980 in Hamburg geboren und studierte dort von 2000 – 2007 an der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) bei Hanne Loreck und Pia Stadtbäumer. Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit der Galerie in der Wassermühle Trittau, wo die Künstlerin 2018/19 Stipendiatin ist.
Die dreidimensionalen Objekte und Installationen von Anna Lena Grau lassen sich als offene Kunstwerke bezeichnen, als Anstöße und Anregungen für gedankliche Prozesse, die an der Schnittstelle von wissenschaftlichen und kulturhistorischen Phänomenen anzusiedeln sind. So beschäftigt sich die Künstlerin beispielsweise mit Faltenwürfen, die aus Ton modelliert, aus einzelnen Abgussfragmenten einer verlorenen Form zusammensetzt oder in Holz geschnitzt werden. Die dabei entstehenden tiefen Furchen und Auswölbungen erinnern gleichermaßen an natürliche Prozesse, etwa die Abtragung und Verformung von Gestein durch Wasser, als auch an bildkünstlerische Verfahren wie das Schnitzhandwerk. Ein zentraler Gedanke, den Anna Lena Grau in ihren künstlerischen Produktionen aufwirft, besteht darin, das Material und seine kulturhistorische Dimension als unabgeschlossenen, prinzipiell auch umkehrbaren Werdeprozess darzustellen. Wenn sie etwa die aus Metallbarren bestehende Ladung eines im 14. Jahrhunderts vor Christus gesunkenen Schiffes aus Kunststoffgranulaten entsorgter Plastikwaren nachgießt, spielt sie auf das Transformationspotenzial an, das in den Barren, seien sie aus Metall oder aus Plastik steckt, an ihre Umwandlung in recycelbare Handelswaren oder skulpturale Zeichen. In der Anschauung von Anna Lena Grau gibt es keinen Gegenstand, der durch Gestaltveränderung und gedankliche Assoziation nicht in sein Gegenteil verkehrt, wenigstens aber zu einem anderen Gegenstand im fließenden Kontinuum von Raum und Zeit werden könnte.

Vernissage: Freitag, 7. Juni, 19:30 Uhr

Anna Lena Grau, Packstücke, Gips, Ton, Silikon, 2017/18
Foto: Heiko Neumeister

S t u b e n g e s e l l s c h a f t — K u n s t v e r e i n

Sabine Becker, "blauwärts"

24. August 2019 – 27. Oktober 2019

Man kann vorwärts, seitwärts oder rückwärts blicken. Und wenn Sabine Becker in dieser Ausstellung die Blicke “blauwärts“ lenken möchte, zeigt die Malerin eine gewünschte Richtung an: ins Blau. Seit Jahren beschäftigt sich die Künstlerin mit einem leuchtenden blauen Kobaltpigment. Der Blick taucht in das Blau, ohne Widerstand zu begegnen. Daher und aufgrund unserer Urerfahrung mit Wasser und Himmel gilt Blau als Farbe der Ferne und unbegrenzten Dimension.
Sabine Becker nimmt der Ausstellung im ehemaligen Kloster St. Wolfgang Bezug nehmen auf den ehemaligen Kirchenraum. Wer ihn betritt, dessen Augen wandern zwangsläufig zu den kobaltblauen Arbeiten der Künstlerin, vielleicht aber auch zu den Fensteröffnungen, welche die Sicht auf das Blau des Himmels frei geben.
In der christlichen Symbolik gilt Blau als die himmlische Farbe. BLAU wird zur Farbe des Glaubens und der Treue. In einen blauen Mantel gehüllt, nimmt Maria als Himmelsgöttin eine „Vermittlerfunktion“ ein. Sie verbindet Himmel und Erde, Nähe und Ferne sowie das Göttliche mit dem Irdischen. Indem die Künstlerin das ehemalige Kloster, das nach der Säkularisierung für weltliche Zwecke genutzt wurde, mit ihren blauen Bildern gestaltet, knüpft sie an diese Vermittlungssymbolik an.
Das heutige Museum blickt auf eine Jahrhunderte lange, wechselhafte Geschichte zurück. Der Kirchenraum besitzt eine kontemplative Ausstrahlung, eine Atmosphäre, die Sabine Becker mit ihren blauen Bildern nutzen möchte, denn Blau ist nicht die Farbe des Wissens oder der Gewissheit, sondern die Farbe des Glaubens, der Unbestimmtheit und der Sehnsucht. Bedenkt man darüber hinaus, dass ein Teil der Klosterkirche in späteren Zeiten als Gefängnis genutzt wurde, erscheint der Blick durch die Fenster ins Blau des Himmels in einem völlig neuen Licht.
Sabine Becker wurde in Lübeck geboren. Sie lebt und arbeitet in Konstanz am Bodensee. Seit vielen Jahren beschäftigt sie sich konsequent mit der Farbe BLAU, genauer: Kobaltblau. Sabine Beckers Arbeiten zeigen eine strukturierte Oberfläche, welche die Materialität von Farbe betont und einen starken haptischen Charakter besitzt. Die Arbeiten sind in zahlreichen öffentlichen Sammlungen vertreten, werden auf verschiedenen Kunstmessen gezeigt und waren auf Ausstellungen von A wie Appenzell bis T wie Tokio zu sehen.
(Michael Kühl-Lenjer)

Vernissage: Freitag, 23. August, 19:30 Uhr


Sabine Becker, Installation in der Apsis des Museums
Foto: Künstlerin

F o r u m r e g i o n a l

Renate Gaisser, "Im Fluss"

30. August 2019 – 20. Oktober 2019

Die 1961 in Reutlingen geborene Renate Gaisser kam über ein Studium der Architektur zur Malerei. Anfang der 1990er Jahre entdeckte sie die Landschaftsmalerei für sich. Speziell die Gaisserschen Winterlandschaften in sparsamen Grau- und Brauntönen zeigen das Raue und Karge der Alb, wohingegen ihre Sommerbilder großzügig Wärme und Farbe verströmen. Die von der Künstlerin fein ausbalancierten, mal kräftig dominante, mal schwebend zarte Grün- und Gelbtöne entwickeln dabei ihre eigene Bildatmosphäre. Renate Gaisser erfasst – nach einem intensiven Prozess des Sehens – ihre Landschaften intuitiv, ohne sie dabei fotografisch abzubilden; sie entwickelt räumliche Gegebenheiten und erhebt Schattenbildungen zum bevorzugten Gestaltungselement. Die Künstlerin lotet bildnerisch Grenzen aus und macht Brüche deutlich, die sichtbare Welt wird von ihr malerisch neu konstruiert. Dabei wechselt sie souverän zwischen weich geprägter Pinselführung und farblich hart gesetzten Kontrasten. Die sich daraus ergebende Spannung im Bild wird fast greifbar und eröffnet einen Blick auf das „hinter“ der Leinwand Liegende. Starke, lang gezogene Pinselstriche voller Energie werden durch einen häufig hoch angesetzten Horizont kontrastiert und spiegeln – gerade bei ihren Rapsfeldern – die Weite der Landschaft. Renate Gaisser schafft in ihren Arbeiten, die von starker Tiefenräumlichkeit beziehungsweise einer Plastizität des Gegenständlichen sowie flächiger Bildhaftigkeit geprägt sind, eine Malerei, die beides ist: gegenständlich und abstrakt und die dabei gleichzeitig Expression wie Impression vermittelt. (Barbara Krämer)

Vernissage: Donnerstag, 29. August, 19:30 Uhr

Renate Gaisser, Sumpflilienkraut_6, Öl auf leinwand, 2017
Foto: Künstlerin

David CzuprynHoly, "Ghosts"

9. November 2019 – 6. Januar 2020

David Czupryn (*1983) hat bei Georg Herold, Lucy McKenzie und Tomma Abts in Düsseldorf ­studiert. Er ist ein Meister des Trompe-l’Œil-Effektes, jener jahrhundertealten Kunst der Augentäuschung, die bei ihm ein unerwartetes Comeback feiert. Mit Pinsel und Farbe bildet er mimetisch Oberflächen nach, Handschrift und Gestus werden so geradezu provokativ negiert. Die Bilder – David Czupryn arbeitet mit starken harmonischen Kontrasten und trägt die Farbe transluzid auf – wirken wie aus einem Guss, sie sind nicht fotorealistisch, sondern illusionistisch dreidimensional. Den ruhigen Gründen, Standflächen und Bewegungsmotiven werden Pfeile und andere grafische Elemente beigesellt. Neben ausgreifenden Gliedmaßen ziehen gebrochene ­Symmetrien, Fallendes, Schwebendes, Verbundenes, Verschränktes, Geöffnetes und Durchsichtiges die Aufmerksamkeit auf sich – gleichsam Bilder im Bild, aber auch einander umspielende Versatzstücke. Kein Wunder, dass der Maler die Surrealisten schätzt, aber auch eine gewisse Vorliebe für Alfred Kubin bekundet. Die Verrätselung, die er betreibt, steht aber nicht in der Tradition der Schwarzen ­Romantik, sondern erinnert an Alexander Calder und Naum Gabo, aber natürlich auch an das spitz­bübische Werk von Georg Herold. So lassen sich David Czupryns Bilder denn auch ohne Umschweife als gemalte Installationen begreifen, in denen Konstruktivismus, Kinetik und Surrealismus ironische ­Urständ feiern. Oder auf Neudeutsch: Hier teilen sich Calder, Dalí und Herold die App. (León Krempel) 

Vernissage: Freitag, 8. November, 19:30 Uhr

David Czupryn, He she it, Öl auf Leinwand 2017
Foto: Künstler

 

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