Sonderausstellung „Hölle & Paradies. Der deutsche Expressionismus um 1918“

Vorstellung „Stillleben“ von Peter August Böckstiegel

Peter August Böckstiegel, Stillleben, 1919, Sammlung Bunte
Foto: Ingo Bustorf

Der Blumenstrauß scheint in allen Farben zu sprühen und wie ein Feuerwerk zu explodieren. Eine aufsteigende Diagonale, die Wärme und Unmittelbarkeit unvermischter Grün- und Rotflächen und die eher kühlen Komplementärfarben blau und gelb stoßen aufeinander, durchmischen, durchdringen und steigern sich zu einem jubelnden und freudigen Fest des Auges. Hier ist alles spontan, durchdacht und mit einem raschen und souveränen Pinselstrich aufgetragen, eine geradezu materielle Lust an der Leuchtkraft der Farben und dem Durcheinanderwirbeln von Blüten und Blättern, alles ist sinnliche Kraft und Augenlust. Der Urheber dieses fulminanten Blumenbildes ist Peter August Böckstiegel, erst bester Freund von Conrad Felixmüller, dann sein Schwager, weil er es nicht lassen konnte, dessen Schwester Hanna zu ehelichen, auch sie ist in der Ausstellung vertreten, in liebevoller Umarmung mit der gemeinsamen Tochter Sonja. Unter den Künstlern kannte jeder jeden: Ludwig Meidner verschaffte Felixmüller Zugang zur Berliner Bohème und Felixmüller führte Otto Dix in Düsseldorf bei der legendären Mutter Ey ein, die aus ihrer Backwarenhandlung eine Avantgarde-Galerie machte und die „Hungerkünstler“ gratis mit Brötchen, Café und mütterlicher Zuwendung versorgte. Von dem jungen Böckstiegel ist die Anekdote überliefert, dass er 1912, anlässlich der berühmten Kölner Sonderbund-Ausstellung, die wilden Farben Vincent van Goghs kennenlernte – und ein Jahr später an der Dresdner Kunstakademie mit seinem ungezügelten Farbentemperament seine Kommilitonen und Professoren schockierte. „Rosig und blond, blitzend blauäugig, mit rotem Vollbart reihte er sich selbstbewusst in die Schar der Studierenden“, so schildert Felixmüller Böckstiegels ersten stürmischen Auftritt. Ohne zu zögern habe er einen Mann mit schwarzem Rock und einer „zitronengelb schmetternden Trompete“ vor rosa Hintergrund auf die Leinwand geworfen. Das war damals eine Revolution, bedenkt man, dass an den Akademien nach wie vor in den Brauntönen der Alten Meister oder nach weißbleichen, leblosen Gipsfiguren gemalt wurde. Dabei bezeichnete sich der 1889 im ländlichen Arrode geborene Böckstiegel selbst als „westfälischer Bauernmaler“ und blieb seiner Heimat zeitlebens eng verbunden. Sie war und blieb für ihn der „unversiegbarer Quell“ seiner künstlerischen Inspiration.

 

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