Sonderausstellung „Hölle & Paradies. Der deutsche Expressionismus um 1918“

Vorstellung „Londa“ von Conrad Felixmüller

Conrad Felixmüller, Bildnis Londa, 1924, Sammlung Bunte
Foto: Ingo Bustorf

Vielleicht sollte man bei dieser Artikelserie zu Kunstwerken der aktuellen Sonderausstellung „Hölle & Paradies“ nicht von einer „virtuellen“ Führung, wie ein Leser monierte, sondern besser von einer „ideellen“ Führung sprechen. „Virtuell“ ist die Eröffnung der Sonderausstellung in einem Video auf Youtube zu sehen - „ideell“ darum, weil die Kunstwerke aktuell wegen der Coronakrise nicht zu besichtigen sind. Hier werden einzelne Kunstwerke herausgegriffen, gleichsam als Stellvertreter, um den Spirit der ganzen Ausstellung lebendig werden zu lassen und den Appetit für Zeiten „nach Corona“, die hoffentlich bald kommen werden, anzuregen.
Heute möchten Museumsleiter Dr. Velten Wagner das ausgesprochen suggestive Aquarell des bedeutenden Expressionisten Conrad Felixmüller vorstellen, ein Porträt seiner Frau und Lebensliebe Londa. Felixmüller wurde 1897 in Dresden geboren - und machte sich als Junggenie schon mit 18 Jahren künstlerisch selbstständig. Er war in Herwarth Waldens berühmter Sturmgalerie vertreten und entwarf Propaganda-Holzschnitte für die linksgerichtete Kunstzeitschrift „Die Aktion“ von Franz Pfemfert. Felixmüller war Zeuge der blutigen Niederschlagung einer friedlichen Arbeiterdemonstration in Dresden und trat der kommunistischen Partei bei. Als er auch seinen Freund Otto Dix für einen Beitritt gewinnen wollte, antwortete der, typisch Dix, dass er ein gewisses Etablissement vorzöge. Felixmüller gehörte also zur politischen, zur aktionistischen Fraktion der Expressionisten. Er wollte mit seiner Kunst die Gesellschaft verändern. Das Bildnis seiner Frau Londa, die leicht verträumt den extra für sie angefertigten Schmuck präsentiert, ist charakteristisch für diese Zeit, man achte nur auf die großen Augen, die als Spiegel der Seele im wahrsten Sinne des Wortes „tief blicken“ lassen. Den Expressionisten ging es bei ihren Porträts weniger um die Ähnlichkeit mit der dargestellten Person, sondern um ihr Wesen, um das, was sie im Innersten charakterisierte. Deshalb haben die Darstellungen auch stets etwas Maskenhaftes, Überzeitliches. Das Individuum musste dahinter zurückstehen. Der Blick als Spiegel der Seele entspricht einer künstlerischen Gestaltungsweise, die alles Überflüssige weglassen wollte, um die Essenz, um den Geist möglichst unmittelbar hervortreten lassen zu können. In der Sonderausstellung gibt es einen Raum, der sich ganz auf das Thema „Blick, Porträt, Maske“ konzentriert. Und der Ausschnitt aus dem Klassiker „Dr. Mabuse“ von Fritz Lang zeigt, Jahre vor dem Nationalsozialismus, die diabolische Seite des Blickes: als hypnotische Suggestion eines kriminellen Menschenverführers. Doch davon sind wir bei Felixmüller weit entfernt. Mit den wunderbaren Farben des Aquarells und dem tiefen Blick feiert er seine Frau und Geliebte Londa – und sich selbst als, für den Expressionismus ungewöhnlich genug, familiär glücklichen Menschen.

 

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