Sonderausstellung „Hölle & Paradies. Der deutsche Expressionismus um 1918"

Vorstellung „Ganymed“ von Gottfried Graf

Gottfried Graf, Ganymed II, 1921, Kunstsammlung der Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW)/Landkreis Sigmaringen
Bild: Reiner Löbe

Manche Bilder der Sonderausstellung „Hölle & Paradies“ erzählen Geschichten, wie der „Ganymed“ von Gottfried Graf aus dem Jahr 1921. Ganymed war nach der griechischen Mythologie ein Hirtenknabe, den der Göttervater Zeus in Gestalt eines Adlers entführte und zu seinem Mundschenk auserkor. Die Entführung wird von Graf als ein Aufstieg der menschlichen Seele, also ein Akt der Vergeistigung interpretiert, wurde doch Ganymed durch die Gunst des Göttervaters in den Olymp erhoben und damit unsterblich. Die Durchdringung von himmlischer und irdischer Sphäre verwandelt den schönen Jüngling in eine von der glühenden Sonnenscheibe hinterfangene Lichtgestalt. Durch die intensive Leuchtkraft der Farben erschafft Graf eine transzendente Erlebniswirklichkeit - ganz im Sinne der von zahlreichen Künstlern nach dem Ersten Weltkrieg geteilten Hoffnung auf den „neuen Menschen“ und eine geistige Entwicklung der nunmehr demokratisch konstituierten Gesellschaft. Etwas nüchterner liest sich da schon die Biografie des Künstlers, der als Beamter im Postdienst tätig war, bis er aus gesundheitlichen Gründen 1913 in den Ruhestand versetzt wurde. Dadurch konnte er sich seinen Traum erfüllen: 1914 ging er zu Adolf Hölzel an die Stuttgarter Akademie, der die Synthese von Verstand und Gefühl, von Bildanalytik und subjektiver Empfindung lehrte. Hinzu kam ein guter Schuss Spiritualismus, der die Außenwelt transparent für das Übersinnliche machte. Mit den Worten des Künstlers: „Die neue Kunst wendet sich von der Auffassung der äußeren Erscheinung der Natur weg, hin zum inneren Schauen.“ 1919 gründete Graf gemeinsam mit Oskar Schlemmer, Willi Baumeister und den in der Sonderausstellung gezeigten Edmund Daniel Kinzinger und Albert Müller die Künstlergruppe „Üecht“ – u.a. zeigte die Gruppe in Stuttgart mit großem Erfolg eine Werkschau zur internationalen Avantgardekunst. Bekannt wurde Graf, der zwischenzeitlich selbst an die Stuttgarter Akademie berufen worden war, durch seine vielbeachtete Publikation „Der Neue Holzschnitt und das Problem der künstlerischen Gestaltung“ – bis heute eine Grundlage für Künstler, die sich mit Technik und Ausdruck des Holzschnitts beschäftigen.  
 

 

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